Die Zukunft

der Esskultur

Nutri-Score - Dein Einkauf entscheidet

Gibt es eine Alternative zum Müsli, das mit einer Portion den Kalorienbedarf des ganzen Tages deckt? Zum Erdbeerjoghurt, der nie eine einzige Erdbeere gesehen hat? Ganz sicher! Für eine ausgewogene Ernährung gibt es einen simplen Trick: Achte darauf, was in deinem Einkaufswagen landet. Doch aus den endlosen Regalwänden die besten Lebensmittel auszuwählen, kann ganz schön stressen.

Hatte ein typischer Supermarkt 1976 noch circa 9000 Produkte im Sortiment, sind es heute rund 40.000. Das heißt, wir müssen viel mehr sortieren, filtern, entscheiden. Und nicht alles spricht für Qualität. Vor allem bei hoch verarbeiteten Lebensmitteln, die einen immer größeren Teil des Angebotes und damit des Anteils an unserer Ernährung ausmachen, ist Vorsicht geboten. Sie sind oft energiereich, enthalten viel Fett und gesättigte Fettsäuren, jede Menge Zucker und Salz sowie Farb- und Zusatzstoffe. Dafür bleibt auf der Strecke, was für den Körper eigentlich unersetzbar ist: Vitamine, Mineralstoffe oder Ballaststoffe zum Beispiel. Klingt ungesund? Ist es auch! Doch natürlich gibt es Unterschiede, selbst bei geschmacklich ähnlichen Produkten. Auch heißt „verarbeitet“ nicht in jedem Fall „ungesund“.

Durchblick behalten

Als grobe Faustregel gilt: Je stärker verarbeitet ein Lebensmittel ist, je länger die Liste der Inhaltsstoffe, desto skeptischer sollte man sein. Am gesündesten sind Produkte, die gar keine Zutatenliste brauchen – „echte“ Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Kräuter, Nüsse und Vollkorngetreide. Hier müssen wir nicht groß überlegen. Klar, darf es auch mal die Fertigpizza sein. Dann sollten wir jedoch genauer hinschauen: Was ist drin?

Nutri-Score

Gesund und kalorienarm? Oder Kalorienbombe, Zucker- oder Fettfalle?

In Zukunft genügt ein Blick auf die bunte Buchstabenleiste auf der Vorderseite der Verpackung. Die neue Lebensmittelampel Nutri-Score liefert schnelle, verbraucherfreundliche Information darüber, wie ausgewogen ein Lebensmittel ist. Angegeben wird nur ein einziger Wert auf einer fünfstufigen Skala von A (dunkelgrün = sehr gut, positive Bilanz) bis E (rot = negative Bilanz, gesundheitlich bedenklich).

Die Kennzeichnung ergibt sich aus einem komplexen Bewertungssystem, bei dem Punkte für bestimmte Nährwerte vergeben werden. Je mehr Gesundheitsförderliches wie Ballaststoffe, Proteine sowie Obst, Gemüse und Nüsse im Lebensmittel steckt, desto vorteilhafter und desto grüner der Score.

Ungünstige Inhaltsstoffe wie Zucker, gesättigte Fette und Salz ergeben dagegen Minuspunkte. Beispiel Pizza: Enthält sie viel Fett, gibt das viele Minuspunkte. Liegen auf ihr viele Tomaten- und Paprikastücke, gibt es positive „Gemüse-Punkte“. Die Bilanz aus positiv und negativ ergibt die Score-Bewertung. Welche Inhaltsstoffe bewertet werden, zeigt die Grafik:

Wie kannst du den Nutri-Score nutzen?

Prinzipiell gilt: Je roter, desto seltener. Je grüner, desto öfter. Denke daran: Bei den heutigen Auswahlmöglichkeiten steht das bessere Produkt gleich daneben.

Wisse aber auch: Der Score ist kein Freifahrschein, um nur noch zu verarbeiteten Produkten zu greifen. Denn am gesündesten sind Lebensmittel, die keine Zutatenliste brauchen – frische, unverarbeitete Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kräuter, Nüsse, Getreide (Vollkorn). Außerdem: Weniger Fertigprodukte verursachen weniger Müll.

Wo sind die Grenzen?

So einleuchtend und verständlich die Ampelfarben bei den meisten Produkten sind: Der Nutri-Score hat Grenzen. Bemängelt wird, dass Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker oder Süßstoffe nicht mit in die Bewertung einfließen. Ebenso bleibt der Vitamin- und Mineralstoffgehalt, bis auf Salz, außen vor. Auch in Sachen Nachhaltigkeit, etwa bei regionalen oder saisonalen Produkten, trifft die Ampel keine Aussage. Bei einigen Produkten führt die Kennzeichnung in ihrer jetzigen Form deshalb zu fragwürdigen Ergebnissen.

Ein Beispiel ist Apfelsaft: Apfelsaft bekäme ein gelbes C, weil in ihm vergleichsweise viel Zucker steckt. Eine Cola light dagegen würde ein hellgrünes B tragen, weil sie überhaupt keinen Zucker enthält. Dafür ist Süßstoff drin, der aber nicht in die Bewertung eingeht. Vitamingehalt, Süßstoffe und Ökobilanz werden derzeit nicht berücksichtigt.

Ausblick

Gesunde Optionen sollen zur Selbstverständlichkeit werden und nicht erst mühselig von der Rückseite der Verpackung herausgelesen werden müssen. Der Nutri-Score ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht zuletzt, weil er auch den Nahrungsmittelproduzenten mehr Anreiz gibt, ihre Produkte gesünder zu gestalten. Erste positive Beispiele gibt es bereits.

Bislang ist die Kennzeichnung allerdings freiwillig. Auf Widerstand stößt sie vor allem in der Süßwarenindustrie und Teilen der Getränkebranche. Wen wunderts, denn 31 Stück Würfelzucker in einem Liter Cola wären ganz klar ein dunkelrotes „E“.

Gut zu wissen

Etwa zwei Drittel aller Lebensmittel im Supermarkt sind heute industriell verarbeitet, Tendenz steigend. Dazu zählen Tiefkühl- und Fertiggerichte, Schokolade, Chips, Snacks, Süßspeisen und Fruchtjoghurts, Müslis, Würste, Burger und anderweitig behandeltes Fleisch, eingekochtes Gemüse, Milch- und Fruchtgetränke und sogar Baby-Konserven, alles haltbar und schmackhaft gemachte oder solches, dass man nur warm machen muss. Das spart eine Menge Zeit. Kein Schnippeln, kein Putzen. Aber auch: Kaum Einfluss darauf, was genau man da zu sich nimmt.

Fertigmüslis zum Beispiel bestehen laut Verbraucherschützern bis zu einem Viertel aus Zucker – pro 100 Gramm entspricht das rund acht Stück Würfelzucker. Bisher war nur über das Kleingedruckte – die Nährwerttabelle und Zutatenliste auf der Rückseite der Verpackung – ersichtlich, wie viel genau drinsteckt. Für den vollen Durchblick brauchte man zudem Insiderwissen. Denn wer kennt schon die über 70 Namen und Stoffe, hinter denen sich Zucker verstecken kann? Hinzu kommt: Selbst wenn "zuckerfrei" draufsteht, heißt das nicht, dass kein Zucker drin ist. Sondern nur, dass kein Zucker zugesetzt ist. Trotzdem können erhebliche Zuckeranteile, etwa aus Trockenfrüchten wie Rosinen, enthalten sein.

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